Haltermann Carless Blog

Standortleiter Hamburg im Interview: Kraftstoffe für nachhaltige Mobilität

Geschrieben von Interview-Experte: Frank Schumacher | 28.10.2021

Hamburg ist ein wichtiger Produktionsstandort innerhalb der Haltermann Carless Gruppe und verfügt über eine lange Tradition, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann. Heute hat sich der Standort zu einem innovativen und weltweit führenden Produzenten von modernen Spezialkraftstoffen für die Forschung und Entwicklung der Automobilindustrie entwickelt. Dazu gehört ein umfassendes Portfolio an Test- und Entwicklungskraftstoffen, Sonderqualitäten für die Erstbefüllung von Autos und die Zulassung von Schmierstoffen. Mit seiner logistisch wertvollen Lage nah am Hamburger Hafen und mit allen Verkehrsträgern angebunden versorgt der Standort seine weltweiten Kunden im Bereich Motorenentwicklung mit innovativen und erneuerbaren Kraftstoffformulierungen

Wir haben mit dem Standortleiter Herrn Frank Schumacher gesprochen und mehr erfahren über die spezielle Expertise am Standort, individuelle Kundenbedürfnisse und welche Rolle Nachhaltigkeit dabei spielt.

 

"Unsere Aufgabe ist es, unsere Partner bei der Entwicklung klimaneutraler Produkte zu begleiten und Beschaffungsressourcen solcher Materialien zu sichern."

 

Herr Schumacher, Sie sind Standortleiter des Haltermann Carless‘ Produktionsstandortes Hamburg. Was genau wird in Hamburg gemacht?

Schumacher: Hier am Standort produzieren wir vornehmlich Spezialkraftstoffe für die Automobilindustrie und für Hersteller von motorbetriebenen Kleingeräten. Unsere petrochemischen Produkte stellen wir durch gezielte Formulierung her. Wir verändern also keine Moleküle, wir machen Petrophysik. Dabei werden Komponenten aus Raffinerieprozessen und Bioraffinerien verwendet und nach genau definierten Rezepturen gemischt. 

Daraus entstehen beispielsweise Kraftstoffe, die von der Automobilindustrie in Prüflaboren oder während Flottentests verwendet werden. Ziel ist es, die CO2-Effizienz oder die Unterschreitung von Abgas-Emissionsgrenzwerten zu messen bzw. nachzuweisen

Die hohe Qualität und die individuellen Spezifikationskriterien der Produkte, die unsere Partner benötigen, werden von unserem nach DIN EN ISO 17025 zertifizierten Labor direkt vor Ort gemessen und zertifiziert.

 

Ihre Spezialkraftstoffe scheinen eine wichtige Rolle für Ihre Kunden zu spielen. Können Sie das genauer erklären?

Schumacher: Es ist wichtig für Motorenhersteller den Einfluss nachwachsender Bestandteile eines Tankstellenkraftstoffs im Vorweg zu kennen. Bio-Alkohole in signifikantem Volumen verändern die Belastung auf Werkstoffe von Motoren, auf Dichtungen, auf Schmierstoffe. 

Mit unseren Kraftstoffen kann man dies in der Entwicklung berücksichtigen. Wir sind in der Lage, jede individuelle und noch so komplexe Formulierung herzustellen. Das sind Argumente für Test- und Referenzkraftstoffe von Haltermann Carless. Hier sind wir aus gutem Grund seit vielen Jahren Marktführer in Europa. 

Ähnlich sieht es bei den Zertifizierungskraftstoffen oder First Fill Produkten aus. Auch produziert unser Werk sehr erfolgreich Kraftstoffe für Kleinmotoren, die Geräte für Forst und Garten antreiben.

 

Warum hat der Standort eine so wichtige strategische Bedeutung?

Schumacher: Wir sind seit jeher ein starker Entwicklungspartner der Automobilindustrie. Wir unterstützen unsere Kunden auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität, denn unsere Kraftstoffe helfen der Automobilindustrie, Motoren effizienter und nachhaltiger zu entwickeln und tragen damit zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ein tiefes Verständnis von Petrochemie und neuen, nachhaltigen Technologien, wie z.B. biogenen oder strombasierten Kraftstoffen. Sie verstehen die Erwartung unserer Kunden und kennen die Anwendungsfelder unserer Produkte in der Industrie. So können wir die Veränderungen in der Mobilität mit Know-how, Qualität und Flexibilität zum Nutzen unserer Partner bestens unterstützen.

Auch unsere Infrastruktur ist an diese Ansprüche perfekt angepasst: so bieten wir beispielsweise mit unserem nach DIN EN ISO 17025 akkreditiertem Labor schnelle Test- und Analyseergebnisse vor Ort und damit validierte Produkte mit den entscheidenden Qualitäts-Zertifikaten. Solch ein Service ist selten und ein geschätzter Mehrwert.

 

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Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Automobilindustrie eine wichtige Rolle. Wie setzen Sie dies mit Ihren Produkten an Ihrem Standort und in Ihrem Unternehmen um?

Schumacher: Unsere Aufgabe ist es, unsere Partner bei der Entwicklung klimaneutraler Produkte zu begleiten und Beschaffungsressourcen solcher Materialien zu sichern

Wir arbeiten täglich daran, Lösungen zu entwickeln, die einen Mehrwert bieten und gleichzeitig zum Umweltschutz beitragen – das ist eine zentrale Säule unserer Unternehmensstrategie. Wir setzen auf moderne Motorenentwicklung mit synthetischen Kraftstoffen und sind hier erster Ansprechpartner der Automobilindustrie. 

Mit mehr als 100 Produkt-Neuentwicklungen am Standort pro Jahr und einem deutlich zunehmenden Anteil an nachwachsenden, und teilweise sehr komplexen alternativen Rohstoffen in unseren Kraftstoffen sind wir somit ein wichtiger Player der nachhaltigen Entwicklung im Bereich Mobilität. 

 

Wie sieht die Zukunft Ihres Standortes aus?

Schumacher: Wir sind es gewohnt, uns stets neu herauszufordern und zu erfinden. Das zeigt unsere erfolgreiche Unternehmensgeschichte, die bis in Jahr 1859 zurückreicht. Daher blicken wir optimistisch in die Zukunft. 

Unsere langjährige Expertise wird durch junge und gut ausgebildete Fachleute sowie durch kontinuierliche Investitionen ergänzt. Das ist ein erfolgreiches Paket, das strategisch in eine Zeit neuer, innovativer und nachhaltiger Produkte führen wird. 

Die neue, mit führender Technologie ausgestattete Hydrieranlage an unserem Produktionsstandort Speyer gibt uns Zugriff auf moderne Bio-Kraftstoffkomponenten und erneuerbare Kohlenwasserstoffe für zahlreiche andere Anwendungen. Damit können wir den Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Kraftstoffbereich weiter ermöglichen. 

Mit unserem internen Projekt „Hamburg 2025“ wollen wir als Standort am Puls der Zeit bleiben und uns, im Sinne unserer Tradition, für die Zukunft wappnen. Denn die Mobilität ist noch immer auf den Verbrennungsmotor in unserem Alltag angewiesen, das wollen wir durch unsere Expertise im Bereich Nachhaltigkeit klimafreundlich mitgestalten.

 

Sie haben die neue Hydrieranlage am Haltermann Carless‘ Standort in Speyer erwähnt. Welche Verbindungen haben die beiden Werke?

Schumacher: Beide deutschen Produktionsstandorte verbindet mehr als Straße und Schiene. Zum einen werden in Hamburg Produkte aus dem Speyerer Werk als Rohstoffe in Kraftstoffen verwendet. Hier profitieren wir, wie eben erwähnt von der neuen Hydrieranlage, die uns qualitativ noch bessere und klimaschonende Produkte liefert. 

Dazu kommt, dass hochreine Kohlenwasserstoffe aus Speyer bei uns in Industrieverpackungen abgefüllt, in Dry Box-Container verladen und über den Hamburger Hafen in alle Welt versandt werden. 

Zum anderen arbeiten wir eng in den verschiedenen Geschäftsbereichen zusammen und erzeugen dabei nicht nur standortübergreifenden Mehrwert, sondern auch Know-how-Transfer und kollegialen Austausch von Verbesserungspotenzialen.

 

Was konkret sind Ihre Aufgaben an einem typischen Werktag?

Schumacher: Der Standort Hamburg ist etwas Besonderes und meine Aufgabe und Verantwortung ist es hier beste Bedingungen für unsere Belegschaft und unsere externen Partner zu schaffen. 

Das bedeutet einerseits strategische Entscheidungen für das Management vorzubereiten, Investitions- und Instandhaltungspläne mittelfristig und langfristig abzustimmen und auszurichten, damit unsere Kunden kontinuierlich mit unseren Produkten in höchster Qualität versorgt werden. 

Darüber hinaus möchte ich gute, sichere und effiziente Arbeitsbedingungen für unsere knapp hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eine auf Vertrauen basierende Kommunikationsebene für unsere Partner, wie Kunden, Lieferanten und Behörden schaffen.

 

Das sind umfangreiche Aspekte, die Teil Ihrer täglichen Arbeit sind. Was sind ihre persönlichen Energiequellen?

Schumacher: In meiner Freizeit radele ich gern - auch nachhaltig, ohne E-Antrieb. Außerdem mag ich Kunst, besonders aus der Epoche der Familie de`Medici und verbringe deshalb gern Zeit in der Toskana. Auch Musik hören und Konzerte besuchen, ist etwas Wunderbares, insbesondere dann, wenn in der Elbphilharmonie bald wieder ein volles Haus möglich sein wird.